Das Haus
, 2008
Thüring Lena Maria
11 min, Farbe, stereo, Kategorie: Installation
Produktion: Lena Maria Thüring

Langsam und kontinuierlich fährt die Kamera durch ein leer geräumtes Haus. Salon, Esszimmer, Parkett, Veranda, Radiatoren. Keller mit Waschküche, erste Etage, Mansarde. Die Kamera dreht Runden durch die Stockwerke, ohne dass wir uns je ganz orientieren können werden. Und wie im Loop setzt dazu jeweils ein Sprecher ein mit dem Satz: «Die Eltern, das erstgeborene Kind – ein Mädchen, der Sohn.» Über die Sprache blenden sich Erinnerungen ein als Subtext unseres Sehens: an die Rollenteilung der Eltern, an Frühturnen, Jagd und Sonntagsessen. Was sonnig beginnt, deutet mit steigender Intimität und Verdüsterung der besuchten Räume auch Verdrängtes an: Übergriffe der Erziehung, sexuelles Begehren, das Scheitern bürgerlicher Lebensentwürfe. Im nüchtern gehaltenen Dreiakter lässt Thüring ein halbes Jahrhundert ihrer Familiengeschichte in den leeren Räumen widerhallen. Gerade ihre suggestive Leere bietet uns an, die Räume auch als Schauplatz eigener Dramen und Projektionen zu bespielen.

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